DIE SÜNDEN DER HYP-NOTISEURE

 

In der Zeit zwischen 1800 und 1900 waren viele Ärzte der Hypnose gegenüber negativ eingestellt.

Auch bei den Patientinnen und Patienten machten sich Bedenken breit: Manche von ihnen fanden die Hypnose unheimlich und gefährlich.

Wie dies von Seiten der Ärzte aus tönte, beschreibt Van Eeden:

 

xxxxx

 

 

Dass dem so war, entging jenen Ärzten nicht, die sich für die Verwendung der Hypnose einsetzten.

Einige dieser Ärzte fanden, dass jene, die mit Hypnose arbeiteten, am schlechten Image der Hypnose selber schuld waren... 

Warum dem so ist,  geht aus einem redaktionellen Beitrag in der 'Zeit-schrift für Hypnotismus, hervor.

 

Der Redaktor der Zeitschrift erhielt den Brief eines Arztes. Wie dieser berichtete, hatte er ein Lehrbuch der Hypnose gelesen. Das Buch stammte von Professor Forel, und der Arzt war begeistert. Er war dermassen begeistert vom Buch, dass er selber zu hypnotisieren begann. 

Wie der Arzt weiter schrieb, gelang es ihm problemlos, eine Patientin in Hypnose zu versetzen. Dieser erteilte er posthypnotische Aufträge und führte bei ihr auch eine Amnesie herbei. Und nicht zuletzt heilte er die Patientin von ihrer Krankheit.

Zum Entsetzen des Arztes war die Patientin mit dem Arzt überhaupt nicht zufrieden. Sie äusserte sich auch sehr negativ über die Hypnose. Nie mehr würde sie auf Hypnose zurückgreifen, teilte die Patientin mit - lieber würde sie krank bleiben.

Es lohnt sich, die Antwort des Redaktors anzuführen Wie man sieht, wählte er deutliche Worte.

"Dass Sie sich von Professor Forel's Buch haben begeistern lassen, wundert uns am allerwenigsten. Nur hätten wir uns in Ihrem Interesse gewünscht, Sie hätten weniger Begeisterung und dafür mehr Belehrung aus ihm gezogen, zumindest die Erkenntnis, dass Hypnotisieren, d. h. richtiges, doch nicht so eine einfache Sache ist."

Der Redaktor wirft damit dem Arzt vor  dass er sich viel zu wenig über die Hypnose kundig gemacht hat.

Der Arzt aber ist frustriert. Er zweifelt daran, dass die Hypnose eine gute Sache ist. Vorderhand will ee nicht mehr hypnotisieren.

Der Redaktor begrüsst dies.

"Bevor Sie aber einen erneuten Versuch machen, lernen Sie erst!", rät der Redaktor dem Arzt  (394)

Und weiter:

"Dann schimpfen Sie am Ende nicht mehr auf die böse Hypnose."

 

Zum andern aber wirft er ihm vor, mit einer falschen Haltung an seine Aufgabe als Hypnotiseur herangegangen zu sein - er habe, so meint der Redaktor, die Patientin zum Gegenstand "mass- und zielloser unnützer Experimente" gemacht. ( S 394) 

Es lohnt sich, diesen Vorwurf näher anzusehen:

Fast beiläufig erwähnt der Arzt, dass er bei der Patientin eine Amnesie hervorrief und dass er mit posthypnotischen Aufträgen Erfolg hatte.

Man muss sich für einen Moment  vergegenwärtigen, was das heisst:

Eine ,Amnesie' ist eine Erinnerungslücke. Im Zusammenhang mit der Hypnose des Arztes bedeutet dies, dass es eine gewollt herbeigeführte  Gedächtnislücke war: Der Arzt bemühte sich aktiv darum, dass die Patientin gewisse Dinge vergass, die während der Hypnose geschahen.

Praktisch heisst dies für die Patientin: Da war sie bei einem Arzt in Behandlung, doch an einige Dinge, die während der Konsultation geschahen, erinnerte sie sich nicht mehr. Das aber war für sie unangenehm und wohl auch ein wenig unheimlich.

Wie ist es mit den posthypnotischen Suggestionen? 

Bei den posthypnotischen Suggestionen geschehen drei Dinge:

Erstens: Ein Hypnotiseur erteilt einem Menschen, der sich in Hypnose befindet, einen Auftrag - der z. B. darin bestehen kann, dass die Person, die hypnotisiert worden ist, am nächsten Tag um 15 Uhr an der Praxistüre des Hypnotiseurs klingeln und ihm einen Blumenstrauss überreichen soll.

Zweitens: Der Hypnotiseur sorgt für eine Amnesie. Ist die Person aus der Hypnose aufgewacht, vermag sie sich nicht an diesen Auftrag zu erinnern.

Drittens: Am nächsten Tag verspürt die Person den Zwang, dem Hypnotiseur einen Blumenstrauss zu bringen. War die posthypnotische Suggestion erfolgreich, setzt die Person den Zwang in die Tat um und bringt dem Hypnotiseur tatsächlich einen Blumenstrauss.

Die Person aber weiss nicht, was sie dazu bewogen hat, den Blumenstrauss zu bringen. Steht sie mit dem Blumenstrauss in der Hand vor dem Hypnotiseur., hat sie zwei Möglichkeiten. Entweder gesteht sie dem Hypnotiseur, dass sie keine Ahnung hat, warum sie das tut, was sie da mit dem Blumenstrauss gerade tut. Oder aber sie erfindet eine Begründung für ihr Tun, wobei sie in diesem Falle genau weiss, dass die Begründung lediglich erfunden hat.

Beides aber ist für die Person unangenehm und auch unheimlich: Niemand tut gerne Dinge, für die er keine Erklärung hat und die er vor sich selbst nicht begründen kann.

Und damit sind wir wieder bei dem Arzt, der bei seiner Patientin auf Ablehnung stiess. Sein Problem besteht nicht nur darin, dass er unnütze und ziellose Experimente angestellt hat. Sein Problem ist, dass in diesen Experimenten eine fragwürdige Haltung zum Ausdruck kommt.

Das ist so gemeint:

Werden Amnesien un posthypnotische Suggestionen ohne Wissen und ohne Einverständnis der hypnotisierten Personen eingesetzt, entsteht ein Machtproblem: Der Hynotiseur demonstriert seine Macht über den Patienten oder die Patientin. Er hat die Macht, ihn Dinge vergessen zu lassen, und er hat die Macht, ihn Dinge tun zu lassen, die er gar nicht will - und es ist diese Macht-demonstration, die einen Widerwillen gegen die Hypnose hervorruft. 

 

 

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Unsinnigkeit, best hypnot Phänomene im Rahmen Behandlung hervorrufen zu wollen, z b sugg dass jemand Obst isst, obwohl Kartoffeln gegessen werden 

Exp Hy ist nicht gleich therapeut

Z f Hypnotismus , S 259

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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